Frank Gehry – Ein Portrait

Frank Gehry zählt zu den einflussreichsten Architekten und Designern des 20. und 21. Jahrhunderts. Mit seinen skulpturalen Bauten, seinen Möbeln aus Karton und gebogenem Holz und seinem furchtlosen Umgang mit Material veränderte er die Sprache der Architektur.

Frank Gehry (1929–2025) wurde in Toronto als Sohn jüdischer Einwanderer aus Polen geboren, zog 1947 mit seiner Familie nach Los Angeles und gründete dort 1962 sein eigenes Architekturbüro. 1989 wurde er mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet, der wichtigsten Ehrung der Architektur. Am 5. Dezember 2025 starb er im Alter von 96 Jahren in seinem Haus in Santa Monica – gearbeitet hat er bis zuletzt. Im Jahr nach seinem Tod würdigen Museen in Europa und den USA sein Werk mit grossen Ausstellungen. Gehry stellte der geradlinigen Moderne geschwungene, fragmentierte und scheinbar bewegte Formen entgegen und machte Alltagsmaterialien wie Wellkarton, Maschendraht und Wellblech architekturfähig. Seine Entwürfe stehen bis heute für Freiheit, Experimentierlust und den Mut zur eigenen Handschrift.

Ob als Architekt, Möbeldesigner oder Gestalter von Leuchten und Objekten: Viele von Frank Gehrys Werken sind längst Ikonen. Das Guggenheim-Museum in Bilbao, die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles und die Fondation Louis Vuitton in Paris zählen zu den bekanntesten Bauten unserer Zeit. Ganz in der Nähe der Schweiz entstanden mit dem Vitra Design Museum in Weil am Rhein (1989) Gehrys erste Bauten in Europa; 1994 folgte das Vitra Center in Birsfelden bei Basel. Möbel wie der Wiggle Side Chair oder der Cross Check Chair werden bis heute von Vitra und Knoll gefertigt und inspirieren Generationen von Gestalterinnen und Gestaltern.

© Vitra, Wiggle Side Chair (Frank Gehry, 1972)

© Knoll

Frank Gehry – Visionär

Möbel

Schon früh stellte Frank Gehry die Konventionen des Möbeldesigns infrage. Wellkarton kannte er aus dem Modellbau in seinem Büro – also experimentierte er mit dem unscheinbaren Verpackungsmaterial, sägte und schichtete es in wechselnder Laufrichtung. Das Ergebnis war die Serie «Easy Edges» (1969–1972): 13 Möbel aus Karton, überraschend stabil, angenehm im Sitzen und dank ihrer Oberfläche sogar schalldämpfend. Die Serie machte Gehry über Nacht als Möbeldesigner bekannt. Weil ihn der Erfolg von der Architektur abzulenken drohte, stellte er die eigene Produktion wieder ein.

Vitra sicherte sich später die Rechte und führt den Wiggle Side Chair und den Wiggle Stool bis heute im Programm. Ende der 1980er-Jahre trat Knoll an Gehry heran: Inspiriert von den Apfelkisten, auf denen er als Kind spielte, entwickelte er eine Kollektion aus dünnen, miteinander verflochtenen Ahornstreifen – leicht, federnd und ganz ohne Metallverbindungen. 1992 wurde sie im Museum of Modern Art in New York vorgestellt. Ihre Namen wie Cross Check, Hat Trick oder Power Play sind eine Hommage an Gehrys Lieblingssport Eishockey.

© Knoll, Cross Check Chair (Frank Gehry, 1990)

Leuchten

Gehry verstand Licht und Objekte als Teil seiner künstlerischen Forschung. Anfang der 1980er-Jahre entstanden seine ersten Fish Lamps aus dem Kunststofflaminat Colorcore: leuchtende Fischkörper aus splitterartig gebrochenen Schuppen, irgendwo zwischen Leuchte, Skulptur und Architekturmodell. Der Fisch wurde zu seinem Leitmotiv – als Symbol für Bewegung und fliessende Form, das sich auch in seinen Gebäuden wiederfindet.

Die Fish Lamps sind heute begehrte Sammlerobjekte und waren zuletzt mehrfach bei Gagosian ausgestellt. Für die Serienproduktion entwarf Gehry 2005 mit dem Schweizer Hersteller Belux die Leuchtenfamilie Cloud, gedacht als Hommage an Isamu Noguchi. Ihr papierartiger Schirm aus Polyestervlies lässt sich eindrücken und ausbeulen – so wird jede Leuchte zum Unikat und ihr Besitzer zum Mitgestalter.

© Belux, Cloud Pendelleuchte (Frank Gehry, 2005)

© Belux, Cloud Stehleuchte (Frank Gehry, 2005)

Architektur als Skulptur

Frank Gehry dachte Architektur als begehbare Skulptur. Mit dem Umbau seines eigenen Hauses in Santa Monica (1977–1978) sorgte er für Aufsehen: Er umhüllte einen schlichten Bungalow mit Maschendraht, Wellblech und Asphaltböden und machte das Unfertige zum Gestaltungsprinzip. Zentral für seine Arbeit blieb das Modell – Formen entstanden mit den Händen, aus Papier, Karton und Holz, bevor sie mithilfe aus der Luftfahrt adaptierter Software baubar wurden.

Mit dem Guggenheim-Museum in Bilbao (1997) gelang ihm der Durchbruch zur Weltarchitektur. Der titanverkleidete Bau verwandelte eine Industriestadt in ein internationales Kulturziel – der Begriff «Bilbao-Effekt» wurde zum Synonym für die Kraft von Architektur. Bis heute inspirieren Gehrys Ideen Architektinnen, Designer und Innenarchitektinnen auf der ganzen Welt.

© Vitra, Vitra Design Museum, Weil am Rhein (Frank Gehry, 1989)

© Guggenheim-Museum Bilbao (Frank Gehry, 1997). Foto: Zarateman, CC0, via Wikimedia Commons

«Architecture should speak of its time and place, but yearn for timelessness.»

– Frank Gehry

Buchtipp

Five Buildings by Frank Gehry

Walther König, Buchcover

 

Das Buch führt zu den Anfängen von Gehrys Karriere: Fünf weniger bekannte Bauten aus den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren in Los Angeles, darunter die Spiller House, die Indiana Avenue Houses und die Norton House. Mit günstigen Konstruktionen und Materialien «von der Stange» legte Gehry hier den Grundstein für seinen internationalen Durchbruch ein Jahrzehnt später. Die Fotografien des schwedischen Architekturfotografen Johan Dehlin werden von neu reproduzierten Zeichnungen und Essays ergänzt.

Ausstellungstipp

«Mindset Los Angeles – Frank Gehry und die Cool School»

27. Juni 2026 – 10. Januar 2027 im Marta Herford, Herford (D)

© Marta Herford, © Marta Herford, Photo: Ralf Bittner

Er baute Häuser aus Maschendraht und Wellblech und machte Karton zum Möbelmaterial: Die Ausstellung im Marta Herford blickt auf die frühen Jahre von Frank Gehry (1929–2025) und seine Wurzeln in der Kunstszene von Los Angeles der 1950er- und 1960er-Jahre. Rund 130 Werke der amerikanischen Nachkriegsavantgarde, darunter Arbeiten der Light-and-Space-Bewegung, treffen auf Skizzen, Entwürfe und Dokumente aus Gehrys Frühwerk.

Die Schau entstand mit Gehry Partners und dem Getty Research Institute – und findet in einem Haus statt, das Gehry selbst entworfen hat: Das Marta ist sein jüngster realisierter Bau in Deutschland. mehr

 

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