Interior Design-Trends auf dem Salone del Mobile 2026

Die Milan Design Week 2026 bestätigt ihren Status als globaler Design-Hotspot und zeigt zugleich eine neue inhaltliche Tiefe.

Zwischen dem Salone del Mobile und den vielschichtigen Inszenierungen des Fuorisalone entsteht ein Bild, das weniger von kurzfristigen Trends als von grundlegenden Haltungsfragen geprägt ist.

Das wohnbedarf Team war vor Ort unterwegs und hat genau hingeschaut – mit dem Blick auf kommende Entwicklungen und die Tendenzen für wohnbedarf 2027. Im Zentrum steht nicht das Spektakel, sondern Substanz.

Unter dem Leitgedanken „Matter as Method“ wird Material zum Ausgangspunkt des Entwurfs. Es wird als kultureller Träger verstanden – im Spannungsfeld von Handwerk, Technologie, Nachhaltigkeit und Emotion. Diese Perspektive zieht sich durch Messe und Stadt gleichermassen und zeigt: Design entwickelt sich zunehmend zu einer langfristigen kulturellen Praxis.

Cassina Store Milano, Via Durini

Ein weiteres Highlight ist die Wiederentdeckung der Peacock Chair von Verner Panton, die in Zusammenarbeit mit Karakter präsentiert wird. Im Jahr seines 100. Geburtstags wird Pantons ikonisches Design auf Basis der Originalzeichnungen neu interpretiert. Die skulpturale Form aus Edelstahlgeflecht mit textilen Kissen zeigt den Trend der Reaktivierung historischer Entwürfe als zeitgenössische Statements – nicht als Nostalgie, sondern als Weiterentwicklung.

Parallel dazu setzt Cassina mit der Wiederaufnahme des Dalila Armchairs von Gaetano Pesce ein starkes Zeichen. Die ikonische Formensprache des Radical Design wird in eine neue Indoor- und Outdoor-Version überführt. Flexible Polyurethanstrukturen treffen auf expressive Formgebung – ein Beispiel für den Trend, dass radikale Designikonen in neue Lebenskontexte integriert werden, ohne ihre gestalterische Kraft zu verlieren.

Auch B&B Italia nutzt den Salone 2026, um seine Position als treibende Kraft im Möbeldesign weiter zu schärfen. Nach 25 Jahren kehrt die Marke auf den Salone del Mobile zurück und präsentiert ihre Neuheiten in einer bewusst museal anmutenden Inszenierung. Im Kontext des 60-jährigen Jubiläums wird dabei besonders deutlich, wie eng industrielle Präzision und gestalterische Forschung miteinander verwoben sind. Die Präsentation bleibt dennoch radikal reduziert: keine szenografische Überhöhung, keine dekorative Ablenkung – die Objekte stehen für sich.

Gleich im Eingangsbereich setzt das „Untitled“ Seating System von Vincent Van Duysen einen klaren Auftakt. Eine bewusst offen gelassene Massivholzstruktur bildet das konstruktive Rückgrat, in das weiche Polster – in Stoff oder Leder – präzise eingefügt sind. Das System ist sowohl als Sofa als auch als Sessel gedacht und verbindet architektonische Klarheit mit körperbezogenem Komfort. Van Duysen beschreibt den Ansatz als ein Wechselspiel von Struktur und Erfahrung: Konstruktion wird nicht verborgen, sondern prägt aktiv das Sitzerlebnis.

Diese Haltung verdichtet sich in der Chaise Longue „Moor“, ebenfalls von Vincent Van Duysen. Ein klar definierter Rahmen trägt eine geflochtene Rattanfläche, die sich zu einer weichen Liegeform entwickelt. Der Entwurf bewegt sich zwischen konstruktiver Disziplin und sinnlicher Nachgiebigkeit und formuliert damit eine subtile Balance zwischen Strenge und Komfort.

Einen bewussten Gegenpol setzt die originalgetreu wieder aufgelegte „Nena“ von Richard Sapper aus dem Jahr 1984. In ihrer radikalen Reduktion wirkt sie erstaunlich zeitgenössisch: leicht, präzise hier in Samt ausgeführt, erscheint sie fast wie eine grafische Linie im Raum. Ihre Präsenz verweist weniger auf Nostalgie als auf die Kontinuität einer konstruktiven Designhaltung.

Ergänzend zur Messe zeigt B&B Italia in der Stadt eine kuratierte Retrospektive zum 60-jährigen Bestehen der Marke. Fotografien, Archivmaterialien und ausgewählte Objekte zeichnen die Entwicklung einer Designkultur nach, in der Qualität stets im Zentrum steht – von ikonischen Entwürfen bis zu heutigen material- und fertigungstechnischen Innovationen. So entsteht ein bewusstes Spannungsfeld zwischen Gegenwart und Herkunft: Während am Salone das Neue spricht, legt die Ausstellung die Grundlage offen, auf der diese Innovationen entstehen.

Einen bewussten Gegenpol setzt Ritzwell mit „Quiet Echoes“. Leder, Holz, Stein und Textil werden nicht kombiniert, sondern komponiert. Besonders prägend ist die Arbeit mit Materialkontrasten – etwa Stein in Kombination mit weichen Polstern und sichtbarem Handwerk. Daraus entsteht der Trend der kontrastbasierten Materialästhetik, die Räume ruhiger, aber gleichzeitig dichter wirken lässt.

Bei Knoll verschiebt sich die Präsentation am Salone del Mobile 2026 deutlich in Richtung eines kulturell aufgeladenen und skulptural gedachten Designverständnisses. Der Stand wirkt ruhig, fast landschaftlich inszeniert – reduziert, offen und durchzogen von gezielten Farbakzenten, die den Objekten eine filmische Präsenz verleihen. Klassische Entwürfe werden nicht reproduziert, sondern über Material, Textur und Kontext in die Gegenwart überführt.

Im Zentrum steht die erste eigenständige Möbelkollektion von Dozie Kanu für Knoll: eine Serie aus Konsolen und Beistelltischen, die den statischen Charakter klassischer Tische radikal aufbricht. Stahlrohre treffen auf straff gespanntes Leder und bewegliche Fransen, die bei jeder Berührung reagieren. Die Objekte wirken weniger wie feste Möbel als vielmehr wie animierte Strukturen im Raum.

Ergänzt wird die Präsentation durch die Weiterentwicklung bestehender Kollektionen. Die Jonathan Muecke Wood Collection wird um Lounge Chair, Ottoman sowie Coffee- und Side Tables, Reduktion als Prinzip. Parallel dazu wächst die von Johnston Marklee entworfene Biboni-Serie zu einem umfassenden Sitzsystem.

Neben dem Sofa entstehen Lounge Chair, Ottoman und neue Deep-Seat-Module. Die organisch geformten Volumen verschmelzen Architektur und Möbel und schaffen weiche, raumgreifende Strukturen, die Innenräume aktiv definieren.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Wiederentdeckung der Morrison Hannah Chair von 1973, die nun europaweit erhältlich ist. Mit optimierter Ergonomie, verbesserter Polsterung und erweiterter Neigefunktion wird der Stuhl als hybride Lösung zwischen Homeoffice, Hospitality und Wohnraum neu positioniert – funktional, flexibel und bewusst zeitlos.

Auch materialseitig erweitert Knoll seine Sprache: Eine neue Kollektion performativer Textilien setzt auf rohe, strukturierte Oberflächen, die nicht dekorativ wirken, sondern als aktive, fast skulpturale Elemente im Raum funktionieren. Knoll positioniert sich 2026 konsequent zwischen Möbel, Skulptur, Architektur und kulturellem Statement.

ClassiCon setzt auf eine bewusst erzählerische Designhaltung, in der jedes Objekt mehr ist als reine Funktion. Beim Soft Stona Sofa von Gabriel Tan wird diese Strategie besonders deutlich: Inspiriert von den steinartigen Strukturen im Parque da Cidade in Porto und den organischen Skulpturen von Isamu Noguchi entsteht ein modulares System aus elf asymmetrischen Elementen, das sich einer klassischen Rasterlogik entzieht.

Statt klarer Ordnung entwickelt sich eine fliessende, landschaftliche Komposition. Die einzelnen Volumen wirken wie frei gesetzte Körper im Raum, die sich verschieben, verdichten oder lösen und so immer neue Nutzungssituationen erzeugen. Das Sofa wird damit weniger als Objekt gelesen, sondern als räumliche Topografie.

Auch in der Ausführung überzeugt das System: grosszügige Polsterungen, präzise Proportionen und eine ruhige Materialität schaffen eine Balance aus skulpturaler Weichheit und architektonischer Klarheit. Die Sitzlandschaft lädt dabei bewusst zum Verweilen ein und entfaltet ihre Wirkung im direkten physischen Erleben.

 

So setzt ClassiCon auf eine Geschichte, die sich zwischen Landschaft, Skulptur und Wohnsituation entfaltet – und ein Möbel schafft, das nicht nur genutzt wird, sondern eine atmosphärische Erfahrung im Raum erzeugt. Produkte, die sowohl von der erzählerischen Idee als auch von der Qualität und Ausführung überzeugen.

Auch USM selbst zeigt sein modulares System als offene Architekturstruktur – flexibel, transformierbar und urban gedacht. Daraus entsteht der Trend des Systemwohnens, bei dem Möbel zu räumlicher Infrastruktur werden.

Ein weiteres Highlight ist die Nomad Collection von Louis Vuitton im Palazzo Serbelloni. Jeder Raum ist bis ins Detail kuratiert, Licht, Material und Objekt verschmelzen zu einer immersiven Erfahrung. Der Palazzo wird zur Bühne einer neuen Form von Luxusinszenierung – Design als erzählte Welt.

Auch Hermès in La Pelota zeigt diese Entwicklung in subtiler Form: reduziert, atmosphärisch und hochpräzise inszeniert, verschmelzen Mode, Design und Kunst zu einer gemeinsamen Sprache.

2026 etabliert sich Bordeaux endgültig als konstante Farbgrösse – tief, warm, elegant und vielseitig einsetzbar. Daneben prägen tiefe Grüntöne, erdige Neutrals, rauchige Blau- und Grautöne sowie warme Braunnuancen das Bild. Farbe wird nicht mehr als Oberfläche verstanden, sondern als Teil des Materials selbst – als atmosphärische Schicht des Raumes.

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